Zugfahrt Berlin-Kiew III

von UkraineLera am 28. August 2012

Reisebericht: In die Ukraine mit dem ZugReisebericht: Von Berlin nach Kiew

Teil 3

Die Hinfahrt – Meine Eindrücke

Kurz vor halb 10 Uhr abends. Gleich müssten wir den Kiewer Bahnhof erreichen. Kaum zu glauben, was so eine eintätige Zugfahrt alles bewirken kann: Auf der einen Seite hat man sich daran gewöhnt, den ganzen Tag mit den gleichen Klamotten rumzulaufen, gefühlte 20 Stunden am Tag zu schlafen oder sobald man aus dem Fenster schaut immer nur Wiese, Wald, Feld, Dörfer usw. zu erblicken. Auf der anderen Seite wartet man gespannt auf die Ankunft. Wir steigen schließlich mit einem Ziel in den Zug und mein Ziel lautete: Mit dem Zug von Berlin nach Kiew! :)

Toilette im ukrainischen zugDiesmal habe ich deutlich mehr Fotos geschossen, als die 10 Jahre zuvor… Das Foto ganz oben ist am Tag vorher im Zug entstanden. Da dachte der Schaffner glatt ich bin von der Presse oder sonst was und sagte ständig: “Keine Fotos von mir, keine Fotos”. Ich murmelte nur etwas von: “Nee nee, ich fotografiere nur den Teppich”… und erwischt hab ich ihn dennoch. Juhu und Puh – kein Bock wegen nem Foto aus dem Zug steigen zu müssen oder einen auf den Deckel zu kriegen. :O

Bettwäsche im ukrainischen ZugNur noch wenige Minuten trennen mich von meinem Ziel. Doch vorher heißt es erstmal: Die Kabine auf Vordermann bringen, d.h. Wäsche abgeben, Koffer packen, Müll entsorgen und Pippi machen – sofern die Toilette funktioniert oder ich dafür Anstehen muss (dieses mal sah sie aber vorbildlich sauber aus). Ich weiß noch, wie ich einmal über die Pfützen Pippi steigen musste, dann noch irgendwo festhalten, während der Zug wackelt. “Sauber” rauszukommen habe ich es nie hinbekommen. Haha

Puh alles geschafft. Nun sitze ich da und warte… die meisten sitzen dann schon 1-2 Stunden vorher wie auf heißen Kohlen, bzw. besetzen die Türen mit ihren 25 Koffern, um als erste aussteigen zu können. Blos nicht den Anschlusszug/bus o.ä. verpassen, denkt sich hier irgendwie jeder, so auch ich.

Schon kurz vor 22 Uhr. Mist, wir verspäten uns. :O Mich überkommt ein mulmiges Gefühl und ich denke: “Garnicht gut. Um 23 Uhr kommt unser Anschluss Klein-Bus von Kiew nach Sumy. Die Zeit würde ja reichen, wenn wir jetzt nicht noch 30 Minuten hier in den Kiewer Vororten tuckern würden, aber wenn ich an den Bahnhof von Kiew denke, wird mir noch unwohler. Dieser ist nämlich bekannt für:

  • die vielen Menschen mit ihren vielen Koffern
  • die Nicht-Vorhandenen Rolltreppen
  • die weiten Wege vom Gleis bis nach draußen und anschließend zur Bushaltstelle
    usw.

Ojeee…

“Wann kommen wir endlich an, warum dauert das solange, lasst mich durch, sonst verpasse ich meinen Anschlusszug”, ertönt neben mir lautstark eine Frau. Hilfe… Ja liebes Fräulein, so geht es hier allen. Wer bucht aber auch den Anschlusszug um 22.05 Uhr? Also bitte, das ist ja sehr naiv, weiß sie denn nicht, dass ukrainische Züge nicht das 1. Mal verspätet ankommen…?!

Naja, nicht mein Problemchen. Meine Tasche ist schwer und ich will hier endlich raus aus der Sardienenbüchse… Ich mache allen nach und drängel mich dreist auch zur Tür durch und warte dort eifrig…

Ich sehe es… Den Schriftzug des Kiewer Bahnhofs. Plötzlich wird mir warm ums Herz, alle meine Sorgen wirken wie NIE dagewesen und ich sage leise: “Hallo Kiew, Hallo zurück geliebtes Kiew”… Die Eisenbahnräder quitschen beim Bremsen laut auf und der Zug bleibt endlich stehen! Schnell lasst mich raus, die drei Stufen runter gestiegen, in der einen Hand Koffer+Tüten, mit der anderen Halte ich mich am Griff fest. Luft. Boden unter den Füßen … Ich habe es geschafft! :D

Es ist schon spät, doch die Luft leicht erdrückend warm. Das hat sich also nicht geändert.

marschrutka kiew sumy

Meine Weiterreise:

Auf dem Weg zum Kleinbus (die Suche erwies sich länger als gedacht), trafen übrigens alle oben genannten Punkte ein. Naja ich war froh, aber gestresst (sieht man vielleicht auf dem Foto und dicker von dem ganzen Essen im Zug) am Bus gen Sumy angekommen zu sein, um die Reise fortsetzen zu können. Nur noch 4-5 Stunden und ich sehe Omi und Co wieder, redete ich mir immer wieder ein. Ach ich schlafe einfach (hab ich ja im Zug bereits so gut vorgemacht), dann vergeht diese Fahrt auch recht zügig.

Doch es geschieht gewöhnlich immer alles anders, als man denkt und ich erlebte meine seit langem Schlaflosesten und Schlimmsten 4-5 Stunden. Wie die Fahrt jedoch konkret verlief, steht auf einem anderen Blatt/Blog… :D

Ende.

{ 4 Kommentare… lies sie unten oder füge einen hinzu }

Andy August 29, 2012 um 15:33

Hey Valeria, dein Blog ist echt einer meiner Lieblings-Blogs geworden. Obwohl ich keinen Bezug zur Ukraine habe, ausser das meine Großvater wohl in der Nähe von Odessa geboren sein soll (ist aber nicht sicher). Wenn ich deine Reisebericht lese, hier wie Du in Kiev ankommst und mit 2 – 3 Worten das Gefühl des Ankommens beschreibst, dann werde ich richtig neidisch. Ich würde auch gerne dein Land mal besuchen wollen. Bin hin und her gerissen. Einserseits hört man so viel Wunderbares von den Menschen und andererseits soviel Schlechtes, z.Bsp Korrupte Polizisten und hohe Kriminalität.
Ich will irgendwann mal mit dem Motorrad dein Land besuchen habe aber noch mächtig Respekt vor der Sprachbarriere die durch das andere Schriftsystem ja nicht kleiner wird. Was rätst Du denn einen unbedarften Westueropäer wenn er dein Land auf eigene Faust bereisen will?

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UkraineLera August 30, 2012 um 18:49

Hallo Andy, und was für ein Bezug du hast!! Wenn das mit deinem Opa stimmt…trägst du im Herzen ein Stück Ukraine :)

Was ich anderen raten will: Mut! Mehr nicht…Habt keine Angst vor Ukraine, fahrt hin und macht euch euer eigenes Bild. Manche Seite sind für Westeuropäer ungewohnt komisch, andere dagegen wundervoll einfach. :)
Sprechen kann man auch mit Händen und Füßen und falls das Geld knapp wird: Western Union gibts dort auch (In den Städten nactürlich)! Im Dorf gibts NIX und du brauchst NIX :D

Alles Gute! Danke, dass dir mein Blog gefällt!

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Michael März 22, 2013 um 19:08

Hallo Valeria,

sehr interessanter Blog über ein Land, dass hier oft noch als “exotisch” betrachtet wird. Und der Reisebericht ist echt schön, erinnert ein wenig an meine Transsib-Tour. Danke fürs Folgen bei Twitter übrigens. Vielleicht hast du aber auch Lust, dich bei mir im Reise-Forum anzumelden? Ukraine-Tipps kann dort noch keiner geben, sind gerne gesehen und Verlinkungen sind natürlich auch erlaubt ;-) (www.molls-reiseforum.de)

Viele Grüße
Michael

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UkraineLera März 22, 2013 um 22:43

Hey Michael, danke. :)

Mit der Transsib zu fahren, steht noch auf meiner To-Do. :) Is aber soo teuer, oder?

Danke für den Tipp mit dem Forum, schaue bei Gelegeheit unbedingt rein!

LG

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